sozial!wesen.wie.wirTIERE HELFEN
Tierisch eindrucksvoll Plakate über Plakate schmücken Türen, Pinn- und sonstige Wände in der Hochschule. Selten ist mal eines dabei, das einen anhalten lässt im Vorbeigehen - wie dieses mit der Überschrift „Tiere helfen" und einem ausdruckvollen bernsteinfarbenen Auge im Großformat. Sein Blick geht am Betrachter vorbei - und spricht ihn dabei doch auf sehr eindringliche Weise an.
Mit Erfolg, denn der Einladung zur Eröffnung der Ausstellung „Stille Bilder - stumme Helfer" folgten viele interessierte Studentinnen und Studenten und geladene Gäste.


Veranstaltungsmanagement für bunt gemischtes Publikum Die meisten von ihnen sah man bereits vor der offiziellen Eröffnung um 12 Uhr vor den großen Ausstellungstafeln im Flurbereich vor dem Senatssaal stehen. Sie betrachteten versunken die eindrucksvollen Fotografien oder lasen interessiert die informativen Begleittexte. Dargestellt war der fachgerechte Einsatz von Tieren in der Sozialen Arbeit in verschiedenen Einrichtungen. Ob bei der Reitpädagogin, der Rettungshundestaffel des deutschen Roten Kreuzes, einer Lebensgemeinschaft autistischer Menschen oder im Altenheim: immer gehen dabei Mensch und Tier hier eine einzigartige Verbindung ein, die sich auf der kognitiven, motorischen, sinnlichen, sozialen und vor allen Dingen emotionalen Ebene auswirkt.
Die positiven physiologischen und psychologischen Wirkungen der sozialen und pädagogischen Arbeit mit Tieren seien in wissenschaftlichen Untersuchungen nachgewiesen, informierte Professor Dr. Max Kreuzer die Besucher im Rahmen seiner Begrüßung. Er betonte, dass die Tiere dabei mitnichten ausgenutzt würden, sondern ihnen vielmehr wertschätzend und in Anerkennung ihrer individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse begegnet werde. Besondere Beachtung hätten in der Öffentlichkeit bisher vor allem die Therapie mit Pferden, das Heilpädagogische Reiten und Voltigieren, die Arbeit mit Blindenführhunden und die Delphintherapie gefunden und die sehr guten Erfolge ließen auf eine zunehmende Bedeutung von Tieren in der Sozialen Arbeit hoffen.


Wissenschaftliche und erfahrungsbasierte Bearbeitung des Themas Gemeinsam mit seinem Kollegen Professor Dr. Theodor M. Bardmann hatte Kreuzer im vergangenen Semester ein interdisziplinäres Hauptseminar zum fachgerechten Einsatz von Tieren in der Sozialen Arbeit angeboten. Unterstützung erhielten die Dozenten und ihre 30 Studentinnen und Studenten von Christiane Storm, die dieses Thema im Rahmen ihrer Diplomarbeit bearbeitet hatte, und Kristin Bruks, die mit ihrem Hund Bonnie regelmäßig an Demenz erkrankte Menschen in einem Altenheim besucht. Die Bearbeitung des Themas erfolgte wissenschaftlich und erfahrungsbasiert. So führten die Studentinnen und Studenten einerseits offene Interviews mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus ausgewählten Einrichtungen und dokumentierten andererseits die tiergestützte Arbeit durch Fotos.
„Tiere ermöglichen als Medium auch dort noch Kommunikation, wo eine Kommunikation auf anderen Ebenen nicht mehr möglich ist", informierte Bardmann. Im Rahmen der fotografischen Bearbeitung des Themas sei es das Ziel gewesen, Tiere und Fotografie in Dialog zu bringen. Der Mensch sei ein Bildwesen und könne im Gegensatz zum Tier Bilder entwerfen, erkennen und machen. Gemachte Bilder zeigten stets ein „Was" und ein „Wie", ein „So sehe ich das". Als visuelle Kommunikationsmedien würden Bilder zum wortlosen, schweigenden Gespräch einladen.


Türöffner Bonnie In diesem Sinne eröffneten die beiden Dozenten auch die Ausstellung „Stille Bilder - stumme Helfer", doch es sollte nicht lange wortlos zugehen. Zu groß war das Interesse am Thema und so nahmen die Gäste gerne die Gelegenheit war, mit den Studentinnen und Studenten aus dem Seminar und den anwesenden Vertretern der Einrichtung ins Gespräch zu kommen. Anlass hierzu boten auch die weiteren Programmpunkte. Kristin Bruks berichtete von ihren Erfahrungen in der Arbeit mit demenzkranken Menschen und betonte besonders die Rolle ihres Hundes Bonnie als Türöffner zur emotionalen Ebene. „Das Türöffner-Prinzip funktioniert auf zweierlei Art und Weise", erklärte sie den Zuhörern, „Im ersten Fall öffnet sich durch die Begegnung mit dem Hund eine Türe, die danach wieder zugeht. Im zweiten Fall öffnet sich die Türe und bleibt einen Spalt offen. Dann kann es gelingen, dass über den Kontakt mit dem Hund hinaus wieder mit dem demenzerkrankten Menschen kommuniziert werden kann." Bruks betonte, dass es auch andere Zugangswege wie die Musik gäbe. Die Arbeit mit dem Hund sei nur eine mögliche Methode, die nicht für jeden Menschen geeignet sei. Wichtig sei, immer zu beachten, dass das Tier die Grenzen des Einsatzes bestimme.

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Immer wieder standen auch die Berufspraktiker im Mittelpunkt des Interesses ...
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Sozialpartner Hund Gerne nahmen die Gäste die Gelegenheit wahr, Fragen zu stellen und ihr großes Interesse ließ im Laufe des Nachmittags nicht nach. Auch die folgenden Gäste referierten beziehungsweise demonstrierten Ausschnitte aus ihrer Arbeit vor einem wachen Publikum. Erik Kersting von der Stiftung „Hunde helfen Leben" hatte die Servicehunde Amanda, Ginger und Shadow mitgebracht. „Servicehunde sind speziell ausgesuchte und ausgebildete Hunde, die behinderten Menschen helfen, ihren Alltag besser zu bewältigen", erklärte Kersting. Die Besonderheit bestehe darin, dass sich zunächst die Betroffenen bei der Stiftung meldeten, für die dann durch eine individuelle Analyse der Welpe einer passenden Rasse ausgewählt werde. Der Welpe werde ab der 8.Woche auf seine zukünftige Arbeit hin ausgebildet und stehe dabei in regelmäßigem Kontakt zu seinem zukünftigen Besitzer, dem er dann im Alter von zwei Jahren als ausgebildeter und geprüfter Servicehund übergeben werde. Logisch, dass aufgrund dieses Konzeptes unterschiedliche Servicehund-Ausbildungen erfolgten. „Sozialpartner Hund" laute die Erziehungsphilosophie und es werde immer auch auf die Kommunikation des Hundes eingegangen, erklärte Kersting. „Ist das alles nicht sehr stressig für den Hund?", fragte eine Besucherin. „Sehen die Hunde gestresst aus?", fragte Kersting zurück, lieferte aber auch noch einen wissenschaftlich fundierten Beleg dafür, dass dem nicht so ist: Untersuchungen des Cortisolgehaltes bei den Service-Hunden hätten ergeben, dass ihr Stresspegel unter dem gewöhnlicher Hunde läge.
Letzter Punkt des Rahmenprogramms war die Vorstellung der Rettungshundearbeit im DRK. Dabei ging Guido Joseph besonders auf den Bereich der Katastrophenfälle ein.

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... und natürlich die vierbeinigen Helfer.
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Resümee: Spannend und interessant Insgesamt war die vierstündige Veranstaltung sehr lebendig und frei gestaltet. Man erhielt auch als Mensch mit wenig Erfahrung im Umgang mit Tieren umfangreiche und verständliche Informationen sehr bildhaft vermittelt. Nicht nur die eindrucksvolle Ausstellung, auch die lebendigen Berichte der Referenten und nicht zuletzt die vierbeinigen Akteure machten diese Veranstaltung zu einer spannenden und interessanten Informationsplattform, wie sie gerne öfters stattfinden dürfte.

Autorin:
Tanja Kulig, Webredaktion
Datum:
11/10/07
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